Demographieorientierte Personalpolitik im Thüringer Raumfahrtunternehmen Jena-Optronik

Foto: Oppitz

Autorin Sabine Oppitz

Frau Sabine Oppitz, Jahrgang 1956, verheiratet, eine erwachsene Tochter; lebt und arbeitet in Jena. Seit 1992 ist sie zuständig für alle Personalfragen der Jena-Optronik GmbH. Damit hat sie die Personalarbeit von Beginn an geformt, so hat sie z.B. aktiv an der Einführung der neuen Tarifstruktur mitgewirkt. Durch gezielte Weiterbildungsmaßnahmen hat sie den Aspekt der Demographieentwicklung stärker in den Fokus ihrer Arbeit und somit im Unternehmen gerückt. Eine neue Herausforderung wird der Arbeitsschwerpunkt Personalentwicklung sein.

 

Als international tätiges Raumfahrtunternehmen unterliegen wir und unsere Produkte hohen Qualitätsstandards und sehr gut ausgebildete, motivierte Mitarbeiter/innen sind die Basis unseres Erfolgs. Die Anforderungen an unsere Mitarbeiter/innen sind vielfältig und umfassen etwa die Bewältigung wechselnder inhaltlicher und organisatorischer Anforderungen durch weltweite Projektarbeit, aber auch das Arbeiten mit sehr hoher Eigenverantwortung. Da wir viele erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben, die in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen werden, beschäftigen wir uns seit mehreren Jahren mit dem Thema Demographie. Durch frühzeitige Maßnahmen, wie der Einführung eines Mentorsystems und Organisation von Wissenstransfer, kann der Wissensverlust durch das Ausscheiden dieser älteren und erfahrenen Mitarbeiter/innen minimiert werden.

Um unsere ersten Ansätze zu verstetigen und zu systematisieren hat jeweils eine Mitarbeiter/in aus der Personalabteilung und ein Mitglied des Betriebsrates an der "Weiterbildung zum Demographieberater" des Bildungswerkes der Thüringer Wirtschaft e. V. teilgenommen, die sehr viele Impulse gesetzt hat.

Altersstruktur Jena-Optronik [Stand 31.12.2011]

Uns ging und geht es zum einen darum, den Wissenstransfer von der älteren auf die jüngere Generation zu fördern, zum anderen aber auch darum, durch eine kluge Gestaltung der Arbeitsplätze und Arbeitsabläufe unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein motiviertes und gesundes Arbeiten zu ermöglichen.

Workshop "55+"

Projekt „55+“

So haben wir als eine Maßnahme in den vergangenen Jahren das Projekt "55+" aufgelegt, welches

  • einen speziellen Workshop für Mitarbeiter/innen über 55 Jahre als Ausgangspunkt hatte: Hier wurde das Bewusstsein der Beschäftigten gestärkt, ein wichtiger Bestandteil für die Firma zu sein und nicht „zum alten Eisen“ gelegt zu werden. Wertschätzung ist ein wichtiges Element, um die Mitarbeiter/innen zu aktiver Weitergabe von Erfahrungen zu motivieren;
  • Trainingsprogramme beinhaltet, die besonders auf das Lernverhalten dieser Altersstufe abgestimmt sind, z. B. zur Einführung neuer Software oder zur Verfestigung und zum Ausbau von Englisch-Kenntnissen. Für diese Maßnahmen werden zusätzlich zu unseren geplanten Schulungskosten finanzielle Mittel bereitgestellt;
  • ältere und jüngere Mitarbeiter/innen in intergenerativen Workshops zusammenbringt, die den gegenseitigen Wissens- und Erfahrungsaustausch aber auch das gegenseitige Verständnis für die unterschiedlichen Lebenslagen befördern soll;
  • spezielle Wünsche und Anregungen der älteren Mitarbeiter/innen aufnimmt und deren Realisierung anstrebt.

Neben den intergenerativen Workshops wird die Weitergabe des informellen Wissens und des kreativen Ideenaustausches durch eine betriebseigene Cafeteria gefördert, in der sich die Mitarbeitenden in lockerer Atmosphäre austauschen können.

Der jährlich stattfindende Gesundheitstag für Mitarbeiter/innen und ihre Familien

Betriebliches Gesundheitsmanagement

Das betriebliche Gesundheitsmanagement der Jena-Optronik GmbH richtet sich an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter –  unabhängig von ihrem Alter:

  • regelmäßige Analyse zu physischen und psychischen Belastungsfaktoren im Rahmen des Arbeitsschutzmanagements;
  • ergonomische Gestaltung aller Arbeitsplätze. Zusätzlich wurden, spezielle Büromöbel beschafft, die auf besondere Bedürfnisse zugeschnitten sind (z.B. Steharbeitsplätze und spezielle Stühle für Mitarbeiter/innen mit körperlichen Einschränkungen);
  • Angebot regelmäßiger medizinischer Vorsorgeuntersuchungen im Unternehmen;
  • regelmäßig durchgeführter Gesundheitstag, zu dem auch Angehörige und ehemalige Mitarbeiter/innen eingeladen werden mit Angeboten für die Mitarbeiter/innen wie medizinische Tests, Schnupperkurse für Bewegung und Entspannung, Massagen und Präventivangebote;
  • Angebot von Gesundheitsseminaren im Haus, z. B. zum Thema gesunde Ernährung
  • Wiedereingliederungsprogramm für Langzeiterkrankte.

Die beschriebenen Aktivitäten tragen dazu bei, die Zusammenarbeit zwischen den Generationen, die Motivation jedes Einzelnen und das Betriebsklima insgesamt positiv zu beeinflussen und für die Mitarbeiter/innen ein gesundes Arbeitsumfeld zu schaffen.

Ausgezeichnete Personalpolitik

AARP (ehemals „American Association of Retired Persons“, die Amerikanische Vereinigung der Ruheständler/innen) honorierte 2011 die Personalpolitik der Jena-Optronik mit der Auszeichnung „2011 AARP Best Employers for Workers Over 50 Award – International“

Die Auswahl der Preisträger erfolgt alljährlich durch die Bewertung der Faktoren Einstellungspolitik, die Möglichkeit zum lebenslangen Lernen und zur Weiterbildung, Personalentwicklung, Arbeitsplatzgestaltung, flexible Arbeitszeitmodelle wie ein gleitender Übergang in die Altersrente sowie Maßnahmen der Gesundheitsförderung.

Vorgeschlagen für den Preis wurden die Jenaer vom Thüringer Netzwerk Demographie, welches auch den gesamten Bewerbungsprozess begleitet hat. „Durch die Zusammenarbeit mit Jena-Optronik wurde für uns deutlich, dass im Unternehmen wesentliche Aspekte demographiefester Personalentwicklung geplant, bearbeitet und umgesetzt werden und dass Jena-Optronik durch dieses Engagement ein Beispiel guter Praxis für demographiefeste Personalentwicklung ist“, erläutert Dr. Martin Lampert, Demographieberater für das Thüringer Netzwerk Demografie, die Nominierung.

Wir sind sehr stolz darauf, dass ein internationales Gremium unsere Bemühungen um die erfahrenen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen - immerhin sind 47% unserer Belegschaft 50 Jahre und älter - so hoch einschätzt. Das Thema Demographie ist unserem Unternehmen ein besonderes Anliegen. Die Hinweise, die im Rahmen des „55+“ Projektes durch die Mitarbeiter/innen unterbreitet wurden, waren die Grundlage für unsere demographische Personalpolitik, welche wir konsequent weiterführen werden, so Sabine Oppitz.

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